Während sich die Verantwortlichen für den Leistungssport im Bund Deutscher Radfahrer (BDR) von der heute, 12.Juli, im Harz ausgerichteten ersten Deutschen Meisterschaft 2020 (Einzelzeitfahren U19-Klassen, siehe eigenständiger Bericht auf der WRSV-Seite) eine positive Signalwirkung für weitere Veranstaltungen im Rennsport versprechen und erhoffen, nimmt bereits seit Wochen die Arbeit der Rennsport-Funktionären in den Landesverbänden und den Vereinen für einen Re-Start der kleinen, größeren und großen Rennen wieder Fahrt auf.

Knackpunkt: die strengen Vorschriften, Vorkehrungen und Maßnahmen, um Corona-Infektionen keine Chance zu geben. Risiko: Der Mensch und sein unabwägbares Verhalten in der Masse an sich.

 

Es wurde in den vergangenen vier Monaten so gut wie alles an Rennveranstaltungen abgesagt, oder erst einmal verschoben. Angefangen bei den Anfängerrennserien und Fette Reifen-Rennen, die dem BDR-Vizepräsidenten Günter Schabel sehr am Herzen liegen und deren Absagen ihm Magenschmerzen bereiten. „Da bleiben jährlich Kinder für den Lizenzsport hängen. Diese Basis fällt jetzt komplett weg“, bedauert er die Situation, und macht sich größte Sorgen um die Allerkleinsten mit Lizenz: „Was mir im Moment viele Sorgen macht, sind die ganz kleinen Klassen, U9 oder die U11. Die sind unser Nachwuchs und konnten dieses Jahr nirgendwo fahren, sollen nächstes Jahr aber in die U13 aufsteigen. Sind sie im nächsten Jahr noch dabei oder nicht, das ist meine größte Sorge!“ Das werde man nächstes Jahr zwar noch nicht spüren, aber in vier oder mehr Jahren - dann nämlich, wenn diese Jahrgänge in der U15 oder U17 ankommen und die Jugend-Lizenznehmer ausgedünnt sein könnten. Deswegen sind gerade auch die Schüler- und Jugendrennen für den Rest der Saison immens wichtig.

 

Ein verlorenes Jahr für die letzten Jahrgänge der U19- und U23-Klass?

 

 

Gerade diese Fahrer und Fahrerinnen wollen und müssen sich eigentlich jetzt beweisen, sofern sie auf der Suche nach weiterführenden Teams sind und müssten bereits Bewerbungen mit ihrer sportlichen Vita an die Mannschaften verschicken. Der Zug für beste, aktuelle Rennergebnisse ist für 2020 abgefahren, allerdings besteht die Hoffnung auf ein paar Einsätze im August/September und Oktober, dann, wenn die Teams normalerweise ihre Planung für die kommende Saison schon nahezu abgeschlossen haben.

 

Auch die Deutschlandtour (2.Pro) gilt zum Beispiel als Plattform für Kontinental(KT)-Fahrer, die in die beiden höchsten Stufen (Pro-Kontinental und World Tour) aufsteigen möchten und ihren Profi-Traum weiterverfolgen. Bei der Deutschlandtour hätten sie sich wieder zeigen können, sofern ihr Team eine Einladung der Organisation erhalten und ihre Teams sie aufgestellt hätten. Die Deutschlandtour fiel 2020 Corona zum Opfer. Ebenso in großem Umfang die internationalen Etappenrennen oder Klassiker, bei denen sich die jungen KT-Fahrer für den Sprung nach oben hätten beweisen können.

 

Ein internationaler Antrag (mit BDR-Beteiligung) die U23-Klasse für 2021 um einen Jahrgang auf U24 zu erweitern, liegt dem Weltradsportvorband vor. BDR-Vizepräsident Schabel würde eine solche Erweiterung begrüßen, allerdings begrenzt auf ein einziges Jahr. Landestrainer Bodo Kriegs: „Eine Aussetzung der Jahrgänge oder Wiederholungen sind mir nicht bekannt, das wird spannend wie der Kader 2021 aussehen wird!“ Der ehemalige Landestrainer Hartmut Täumler, selbst immer noch ganz nah dran an der Rennszene, fände ein Einfrieren der Jahrgänge gar nicht verkehrt und bewundert derweil die Motivation der Athleten/Athletinnen in der Auszeit: „Es ist schon irgendwie bewundernswert, wie alle mehr oder weniger voll motiviert trainieren. Hoffen wir, dass sie in den kommenden Rennen dafür „entschädigt“, bzw. belohnt werden.“ Auch für die Kaderarbeit innerhalb der Verbände sei es "ganz ohne“, ein halbes Jahr keine Rennen zu fahren.

 

Ein sorgenvoller Blick geht auch in die dritte Liga, die Kontinental-Klasse. „Wieviele deutsche KT-Teams wird es wohl 2021 noch geben“, fragt sich BDR-Vize Schabel. Nicht zuletzt auch angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation rund um die Sponsoren. Derzeit sind es neun deutsche Radställe: Bike Aid, Development Team Sunweb, Team Lotto Kern-Haus, rad-net-Rose Team, LKT Team Brandenburg, Maloja Pushbikers, P&S Metalltechnik, Team Dauner Akkon und Team SKS Sauerland.

 

 

Und um mit den Worten von World Tour-Profi Nicolas Roche (Sunweb) zu sprechen – in einem Artikel auf radsport-news.com/ und dem italienischsprachigen Portal Tuttobiciweb berichtet er von seinem kleinen Bruder und dessen Rennsport-Situation: „Es ist, als hätte man seine Flügel gestutzt, es ist wie ein Traum, der platzt. Ich glaube, dass dies für die meisten jungen Fahrer gilt, die sich weiterentwickeln wollen...Es gibt Leute, die im Laufe der Jahre viele Opfer bringen mussten, um zu den Profis aufsteigen zu können, und jetzt müssen sie darum kämpfen, um überhaupt ein Rennen zu fahren. Ihnen muss in diesem für alle Radfahrer sehr kritischen Zeitpunkt geholfen werden, sonst wäre es für alle ein großer Schaden."

 

                                                                  - Ende Teil 2 (Teil 3 mit einem Blick auf Vereine in Corona-Zeiten folgt) -

 

Text: uhu

Fotos Archiv: uhu

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