Nach der Gründung des Württembergischen Radsport Verbandes (WRSV) am 11. Januar 1953, fanden vor 50 Jahren (8.-11. August 1959) auch erstmals die Hallenradsport Weltmeisterschaften in Stuttgart und damit im Verbandsgebiet statt. Heinz Pfeiffer hieß am Ende der Sieger im Einer-Kunstradsport der Herren, und der kam, wie viele nach ihm, aus Württemberg.
„Kunstradfahren“, wie es damals noch hieß, hat sich seitdem zu einer der vielleicht schwierigsten Hallensportarten entwickelt, deren Ästhetik sich am ehesten mit Kunstturnen oder der des Eiskunstlaufs vergleichen lässt. Doch was leicht und unbeschwert aussehen soll, birgt im Kunstradsport ein Höchstmaß an Körperbeherrschung, Koordinationsfähigkeit und eine gehörige Portion Ausdauer und Beweglichkeit, auch wenn Ästhetik und Eleganz das Erscheinungsbild prägen.
Anmut und Kraft beschreiben die Sportart wohl am treffendsten. Denn im Kunstradsport werden verschiedene Halteübungen, Gleichgewichtsübungen, sowie Übungen für Kraft und diverse Sprünge in zwölf verschiedenen Disziplinen ausgeführt. Dem Vorderrad, Hinterrad, Lenker und Sattel kommt dabei besondere Bedeutung zu, denn sie werden bei verschiedenen turnerischen Elementen zur Darstellung kunstvoller Bilder eingesetzt.
Bei allen Disziplinen des Kunstradsports werden maximal 30 Übungen auf einem speziellen Fahrrad ausgeführt, welches keine Bremse, Schaltung oder Lichter hat dafür aber einen “Rückwärtsgang“ besitzt. Der Lenker ist so geformt, dass sich der Kunstradfahrer aufstützen, darauf stellen oder sogar  setzen kann. Zudem lässt sich dieser um 360 Grad drehen. Bei internationalen Wettkämpfen und Meisterschaften ist  die Fahrfläche 14 x 11 Meter groß und in der Mitte mit drei Kreisen gekennzeichnet. Im Wettkampf müssen die Sportler zuvor festgelegte Übungen in einer Kür von maximal 5 Minuten möglichst fehlerfrei ausführen.

 Gerade in Württemberg wurden hierfür frühzeitig die Voraussetzungen geschaffen. Mitte der 70er Jahre entwickelte sich ein flächendeckendes System konsequenter Nachwuchsförderung, welches durch Manfred Maute perfektioniert wurde, der bereits seit 1972, ab 1986 hauptamtlich als Landestrainer fungierte und württembergische Kunstradsportler damit permanent an der Weltspitze etablieren konnte.
Bei der Junioren-EM in Württemberg im Jahre 1984 konnte sein Sohn Dieter Maute, der heutige Bundestrainer, seinen ersten internationalen Titel erringen. Dieser sowie die Kunstradsportler Dietmar Ingelfinger und das heutige BDR-Präsidiumsmitglied Harry Bodmer machten danach in den Jahren zwischen 1986 und 1995 zehn Jahre lang bei den Herren alle Weltmeistertitel im Einer-Kunstradsport unter sich aus, ein nahezu einzigartiger Rekord der deutschen Teilnehmer aus Württemberg. Mit Martin Rominger vom RSV Tailfingen kam danach sogar ein noch erfolgreicherer Einzelsportler aus Württemberg: sieben Weltmeistertiteln in Folge gehen auf sein Konto.
Rominger begeisterte unter anderem bei der Hallenradsport-WM im Jahr 2000 in der ausverkauften Böblinger Sporthalle das Publikum mit hochkarätigen Leistungen. Am Ende standen gleich vier Titeln für Sportler des WRSV zu Buche. Den begehrten Titel konnte zuletzt Robin Hartmann im Jahr 2007 für sich, seinen Verein RV Nufringen und den WRSV gewinnen. Aber auch die Sportlerinnen in den Vereinen des WRSV sind Siege im Kunstradsport auf nationaler wie internationaler Ebene gewohnt und stellten mit Anja Scheu (ebenfalls RSV Tailfingen) abermals eine Weltmeisterin.
Nicht minder erfolgreich die württembergischen Team-Sportler. Im Zweier der Herren holten Simon Altvater und Nico Kunert (RV Pfeil Magstadt) ab 2001 sechsmal den Weltmeister-Titel und konnten in der Zeit ihren eigenen Weltrekord mehrfach verbessern. Ebenfalls Weltrekordhalter waren die fünffachen Weltmeisterinnen Carolin Ingelfinger und Katja Knaack vom RSV Concordia Erlenbach.
2010 kehrte die WM nach „Hause“ zurück: in Stuttgart fanden die Weltmeisterschaften in der Porsche-Arena statt. Aktive, Mitglieder, Freunde und Fans der mehr als 30 aktiven württembergischen Kunstradsportvereine waren mit dabei. Viele fleissigen Helfer sind nötig um im Sport- und Trainingsbetrieb die Grundlage für weitere Erfolge von Morgen zu bilden. 

Unsere Partner

Sie finden uns auch auf facebook.png